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Weisheitszähne ziehen: Wann notwendig? Gründe, Indikationen und Tipps

  • med. dent. Simon Hagin, eidg. dipl. Zahnarzt
  • 10. März
  • 5 Min. Lesezeit

Weisheitszähne, auch dritte Molaren oder 8er genannt, sind ein Relikt unserer Vorfahren. Viele fragen sich: Muss ich meine Weisheitszähne extrahieren lassen? In diesem umfassenden Guide erfahren Sie alles über die Häufigkeit, Indikationen für die Weisheitszahnextraktion, Gründe gegen eine OP, den besten Zeitpunkt, Blickwinkel der Alternativmedizin, Ablauf, Risiken und Nachsorge. Basierend auf aktuellen Studien und Leitlinien helfen wir Ihnen, eine informierte Entscheidung zu treffen.



Unsere Kiefer passen sich langsam dem an, dass wir immer weichere Nahrung essen und werden dadurch immer kleiner. In Westeuropa werden nur noch etwa 75–80 % der Bevölkerung mit allen vier Weisheitszähnen geboren. Bei etwa bei 20–25 % fehlt mindestens einer (Agenesie), und nur 5–10 % haben gar keine.

Weil der Kiefer ohne das harte Essen kleiner werden steckt bei etwa jedem vierten Patienten in Europa mindestens einer der Zähne fest (Impaktion). Das kann beispielsweise zu Problemen wie Entzündungen führen, ist manchmal aber auch ein Leben lang problemfrei.


 Hier ein typisches Röntgenbild impaktierter Weisheitszähne (rot):

Röntgenbild mit vier impaktierten Weisheitszähnen


Warum ist Weisheitszähne ziehen notwendig? Häufige Gründe


Die häufigsten Gründe warum das Weiszeitszähne ziehen notwendig wird ist ein Platzmangel im Kiefer, der zu Impaktion, Perikoronitis (Entzündungen) oder Druck auf Nachbarzähne führt. Weitere Ursachen: Karies, Wurzelresorption, Zystenbildung oder Verschiebung der Zahnreihe nach einer kieferorthopädischen Behandlung.

Es gibt Leitlinien wie zB die der DGZMK, und diese beinhaltet klare Indikationen wie akute Infektionen, nicht behandelbare Karies oder pathologische Strukturen.


Wichtig: Nicht jeder Weisheitszahn muss oder soll raus – bei symptomfreien, gut positionierten Zähnen reicht oft eine Überwachung.


Indikationen (Gründe) für Weisheitszahnextraktion im Detail


Klare Indikationen umfassen:

  • Akute oder chronische Infektionen (z. B. Perikoronitis)

  • Kariös zerstörte Zähne oder Pulpitis

  • Zysten, Tumore oder Resorptionen an Nachbarzähnen

  • Störungen bei kieferorthopädischen oder prothetischen Behandlungen


Mögliche Indikationen: Zur Sicherung einer KFO-Behandlung, bei geplanter Prothese oder prophylaktisch bei Risikopatienten (z. B. Fernreisen).


Wann trotz Indikation keine Weisheitszahnextraktion?


Selbst bei klaren Indikationen kann eine Weisheitszahn-OP kontraproduktiv sein. Medizinische Gründe: Hohes Risiko für Nervschäden, fortgeschrittenes Alter (>40 Jahre), schwere Vorerkrankungen wie Gerinnungsstörungen oder Immunsuppression.

Soziale Gründe: Angst, finanzielle Belastung oder Lebenssituation (z. B. Schwangerschaft). Was macht man Stattdessen? Aufmerksames Abwarten mit regelmäßigen Kontrollen.


Alternativmedizinischer Blick auf die Weisheitszähne:

Der Ganzheitsmediziner spricht beim Weisheitszahn auch gerne vom Energiezentrum des Menschen und sieht den Weisheitszahn als wesentlich für die Entwicklung eines Menschen. Deswegen sollte dem besondere Beachtung geschenkt werden und gegebenenfalls Ausgleich geschaffen werden. Aus dem Blickwinkel der Alternativmedizin sind die Weisheitszähne insbesondere mit dem Herz und Dünndarm, aber auch (insbesondere die unteren Weisheitszähne) mit Hypophysen-Vorderlappen, der Steuerung von Niere und Neben-Nieren verbunden. Die Nebenniere produziert Cortisol. Wird zu wenig körpereigenes Cortisol produziert, so kommt es zu Störungen im Immunsystem bis hin zu Autoimmunerkrankungen, weswegen viele Alternativmediziner dabei zu besonderer Vorsicht mahnen, auch wenn es bisher kaum klare Beweise dafür gibt.


Neue Zahnmedizin: Stammzellen, Transplantationen etc.


Medizin und Zahnmedizin entwickeln sich stetig weiter und der Blickwinkel auf die Weisheitszähne ändert sich zunehmend.

Spezialisten können Zähne können heute transplantieren, d.h. umplanzen von einem Ort im Kiefer zu einem anderen Ort. Bei einem Zahnverlust wegen einem Unfalls oder einer schiefgelaufenen Wurzelkanalbehandlung kann manchmal der Weisheitszahn transplantiert werden: ein natürlicher Zahn ist in meinen Augen fast immer besser als ein Implantat. So gesehen kann es sinnvoll sein einen Weisheitszahn als "Reserve" zu belassen.


In der Pulpa der Weisheitszähne – dem weichen Inneren des Zahns – verbergen sich dental pulp stem cells (DPSCs), mesenchymale Stammzellen mit bemerkenswertem Potenzial: aus Ihnen können bereits heute Knochen-, Nerven- und Herzmuskelzellen gewonnen werden. Das verspricht ein Potenzial bei sehr vielen Erkrankungen - und unter diesem Blickwinkel wollen immer mehr Patienten ihre Weisheitszähne wenn möglich bewahren. Einfach für den Fall der Fälle.


In den USA ist für künftige Generationen ist gerade eine sehr gegenläufige Technologie in Erprobung, die man aus der Krebstherapie kennt: der Zahnkeim wird im Teenageralter mittels Röntgenstrahlung zerstört, sodass gar kein Weisheitszahn entsteht. Was sich da durchsetzt... das wird die Zeit zeigen.


Der beste Zeitpunkt: Wann Weisheitszähne ziehen?


Der optimale Zeitraum liegt meist zwischen 15 und 25 Jahren, wenn Wurzeln noch nicht voll ausgebildet sind und der junge Mensch noch eine sehr gute Wundheilung hat (diese nimmt mit dem Alter ab) – das minimiert Komplikationen und verkürzt die Heilung.


Das ist aber immer noch eine Bandbreite von einem Jahrzehnt - und tatsächlich kann es einen sehr grossen Unterschied machen, ob ein Zahn ein Jahr früher oder später gezogen wird:


Beispiel eins: Bei einem 16 jährigen Patient ist klar: ein Weisheitszahns im Unterkiefer hat keinen Platz und muss irgendwann extrahiert werden, weil er sonst den Nachbarzahn angreift: Wann ist dieses irgendwann? Bzw. wann ist es am sinnvollsten?

Oft droht ein Unterkiefer-Weisheitszahn "über den Unterkiefernerv" zu wachsen. Dann kann es sinnvoll sein ihn schon zu ziehen bevor er eine richtige Wurzel bildet. Das ist mit 16 Jahren meist noch nicht der Fall. Ein Jahr später, mit 17 ist die Wurzel eventuell schon so weit gewachsen, dass es für den Unterkiefernerv riskanter wird - ist also wirklich wichtig das Timing anzupassen. In diesem Fall ist je früher umso besser.


Beispiel zwei: beim gleichen Patienten ist der Oberkiefer-Weisheitszahn ja dann nutzlos weil der Gegenzahl fehlt? Ist es notwendig diesen dann auch sofort zu ziehen?

Bei einem 16 Jährigen sind die oberen Weisheitszähne oft noch "sehr weit oben" im Knochen. Hier kann es oft sinnvoll sein noch ein paar Jahre abzuwarten bis der Zahn seinen Weg nach unten gefunden hat und alles wesentlich einfacher ist. Hier ist also später oft besser oder manchmal auch einfach: nichts machen.


Früher war prophylaktisches Ziehen üblich, heute nur bei Risiken. Ab 30 Jahren steigt das Komplikationsrisiko.


Ablauf der Weisheitszahn-OP


Die Operation dauert etwa 15–45 Minuten pro Zahn. Und passiert gewöhnlicherweise unter Lokalanästhesie (Dämmerschlaf oder Vollnarkose ist nur in seltenen Ausnahmefällen sinnvoll):

Der Chirurg öffnet das Zahnfleisch, entfernt Knochen bei Bedarf, extrahiert den Zahn und näht zu.

Bei impaktierten Zähnen ist der Eingriff gegebenenfalls komplexer.


Risiken und Komplikationen der Extraktion


Häufig: Schwellung, Schmerzen, Blutung. Selten: Infektionen, Nervenschäden (0,1–1,5 %), trockene Alveole (heil nur sehr langsam) oder Kieferbruch.

Bei Angstpatienten: Vorab Beratung empfohlen.


Nachsorge nach Weisheitszahn-OP: Tipps für schnelle Heilung


Eine Weisheitszähne ziehen bedeutet immer: Amputation eines Körperteils. Geben Sie ihrem Körper Zeit, Nährstoffe und Ruhe um zu heilen.


  • Lassen sie die Extraktion wenn möglich in der kühleren Jahreshälfte durchführen, dann gibt es weniger Schwellungen und Infektionen als im Sommer.

  • Kühlen Sie die Wange (v.a. in den ersten beiden Tagen), essen Sie weiche aber gesunde und nahrhafte Nahrung (Suppen, Püree), der Körper braucht in dieser Zeit viel Nährstoffe, Vitamine und Energie.

  • Vermeiden Sie Rauchen/Alkohol und Sport für mindestens 1 Woche.

  • Der dritte Tag nach der OP ist normalerweise der schlimmste, danach sollte es besser werden, Schwellung und Schmerzen sollten dann zurückgehen.

  • Heilung dauert für gewöhnlich 7–14 Tage.

  • Achten Sie in dieser Zeit auf wenig Stress und auf genügend Schlaf.


Bei Schmerzen: kühlen, abgekühlter Kamillen- oder Salbeitee, Schmerzmittel, Bei Infektionen (Anzeichen ist zB fauliger Geruch) zum Arzt


Nahrungsergänzungsmittel nach Weisheitszahnextraktion?


Immer mehr Patienten nehmen Nahrungsergänzungmittel und fragen sich: Ist das eine gute Idee bei Weisheitszahnextraktion?


Die kurze Antwort: Ja, insbesondere Vitamin C, Zink, genügend Protein und gewisse Aminosäuren wie zB Kreatin und L-Glutamin sind sehr sinnvolle Nahrungsergänzungmittel für die Wundheilung.


Häufige Fragen: Kosten, Schmerzen und mehr


  • Ist Weisheitszähne ziehen immer notwendig? Nein

  • Kosten für Weisheitszahnextraktion? In der Schweiz ca. 200–600 CHF pro Zahn, selten von der Krankenkasse übernommen bei Indikation.

  • Wie stark sind die Schmerzen? Meist mäßig, mit Medikamenten gut beherrschbar. Die ersten drei Tage sind meist die schmerzhaftesten, danach sollte es besser werden.

  • Kann ich alle vier auf einmal ziehen lassen? Ja, das ist meist möglich. Ob das auch eine gute Idee ist, das muss aber individuell entschieden werden

  • Was kann ich tun, damit man das bei meinem Kind später nicht machen muss? Entscheidend beeinflussen lässt sich das v.a. durch zwei Sachen: 1) viele harte Nahrung essen 2) starke Muskulatur durch viel körperliche Betätigung. Kommen beide Sachen zusammen, so wächst der Kiefer meist genug, sodass die Weisheitszähne Platz haben.

Fazit: Weisheitszähne – Individuell entscheiden

Weisheitszähne sind nicht notwendigerweise problematisch, aber oft. Häufigster Grund fürs Ziehen ist Platzmangel oder Fehlstellung durch zu kleine Kiefer. Konsultieren uns gerne mit Röntgen für eine personalisierte Einschätzung. Bleiben Sie informiert und vermeiden Sie Mythen wie "Alle müssen raus".



 
 

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