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Unnötige Zahnbehandlungen – wie häufig sind sie in der Schweiz? Wie vermeiden?

  • med. dent. Simon Hagin, eidg. dipl. Zahnarzt
  • 27. Feb.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Feb.

In der Schweiz gibt es sehr viele Zahnärzte pro Einwohner. Grundsätzlich gilt: je höher die Zahnarztdichte in einer Region, umso höher das Risiko einer Überbehandlung. In der Schweiz gilt das vor allem für die Städte: in Zürich gibt es beispielsweise viermal so viele Zahnärzte pro Einwohner wie in ländlichen Regionen. Die Zahnärzte in den Städten haben also oft einfach zu wenig zu tun (und ausserdem noch höhere Kosten). Dieser Kostendruck führt tendenziell zu aggressiveren Behandlungempfehlungen.


Wie häufig sind unnötige Zahnbehandlungen wirklich?


Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Wichtig ist: Die meisten Zahnärzte arbeiten seriös und medizinisch korrekt.

ABER: jemand der zu wenig zu tun, hat, der macht eher mal ein zusätzliches Röntgenbild oder behandelt macht eher mal eine Füllung, dort wo man vielleicht noch abwarten könnte. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Zahnärzten sind dabei grösser als man erwarten könnte. Noch wichtiger wird es bei grossen Behandlungen, wie Extraktionen, Implantaten, Wurzelkanalbehandlungen etc.



In der Zahnmedizin gibt es ausserdem häufig mehrere mögliche Therapieoptionen.

Beispiel:

  • Zahn erhalten mit Wurzelbehandlung

  • Zahn ziehen und Implantat

  • Zahn ziehen und Brücke

Alle drei Varianten können medizinisch vertretbar sein. Doch sie unterscheiden sich erheblich in:

  • Kosten

  • Invasivität

  • Langzeitfolgen

  • Ästhetik

Was für den einen Zahnarzt die beste Lösung ist, sieht ein anderer möglicherweise differenzierter.

Das bedeutet nicht automatisch „unnötig“ – aber es bedeutet: Behandlungsentscheidungen sind oft nicht eindeutig.


Warum können Unterschiede entstehen?


1. Unterschiedliche Behandlungsphilosophien


Ein Zahnarzt verfolgt einen maximal zahnerhaltenden Ansatz. Ein anderer Zahnarzt bevorzugt Implantatlösungen.

Beides kann medizinisch korrekt sein – aber beide Optionen unterscheiden sich deutlich und passen nicht unbedingt zu jedem Patienten.


2. Wirtschaftliche Faktoren


In der Schweiz gibt es zwar den SSO-Tarif, doch Zahnärzte sind nicht an staatliche Tarife gebunden wie bei vielen anderen medizinischen Leistungen.

Die Preise können variieren je nach:

  • Praxisstandort (z. B. städtische vs. ländliche Region)

  • Materialwahl

  • Technischer Ausstattung

  • Eigenlabor oder Fremdlabor

Das kann zu erheblichen Preisunterschieden führen.


3. Unterschiedliche Risikoeinschätzung


Ein Zahnarzt bewertet einen Zahn als „nicht langfristig erhaltungswürdig“. Ein anderer sieht Chancen mit einer konservativen Therapie.

Hier entsteht der typische Konflikt, bei dem Patienten unsicher werden.


Wann besteht ein erhöhtes Risiko für eine möglicherweise unnötige Zahnbehandlung?


Insbesondere wenn Ihr Zahnarzt zu wenig zu tun hat oder bei finanziellem Druck gibt es unnötige Zahnbehandlungen. Das ist besonders oft in den Städten der Fall, kann aber auch sonst vorkommen.


Gewisse Aspekte sollten Sie hellhörig werden lassen:

  • wenn es sehr einfach ist rasch einen Termin zu bekommen

  • wenn Ihr Zahnarzt keine Alternativen mit Ihnen bespricht

  • Zeitdruck („Das muss sofort gemacht werden“)

  • Hinweise auf auf finanzielle Motive des Zahnarztes


Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl. Wenn das etwas ungutes sagt: Buchen Sie gerne einen Beurteilungstermin mit mir.


Unnötige Behandlungen können schon kleine Versieglungen oder Füllungen betreffen, oft auch unnötige Röntgenbilder. Das ist ärgerlich, denn diese Behandlungen sind fast alle irreversibel, und auch die Stahlenbelastung nicht mehr rückgängig zu machen.

Bestimmte Situationen erhöhen das Bedürfnis nach Überprüfung aber noch mehr:

  • Mehrere Implantate geplant

  • Vollsanierungen

  • Sofortige Extraktion

  • Sehr hohe Kostenvoranschläge


Woran erkennen Sie eine seriöse Beratung?


Achten Sie auf:

✔ Erklärung mehrerer Therapieoptionen

✔ Transparente Darstellung von Vor- und Nachteilen

✔ Klare Begründung der medizinischen Notwendigkeit

✔ Kein Zeitdruck

✔ Offenheit gegenüber einer Zweitmeinung

Ein seriöser Zahnarzt wird eine zweite Meinung nicht ablehnen.


Was kostet eine zahnärztliche Zweitmeinung in der Schweiz?


Typischer Rahmen:


  • Konsultation in einer normalen Schweizer Zahnarztpraxis: ca. 100–450 CHF (15-45min)

  • zahnarztfragen.ch: drei klare Optionen, je nach Aufwand: 69 CHF, 109 CHF oder 159 CHF (15-45min)


Verglichen mit möglichen Behandlungskosten ist das finanziell überschaubar.

Eine Zweitmeinung ist keine Kritik am Hauszahnarzt –sie ist eine Investition in Entscheidungssicherheit.


Warum sind klassische Zahnarzt Zweitmeinungen in der Schweiz so teuer?


Weil es sehr teuer ist eine Zahnarztpraxis zu betreiben:

eine Schar Dentalassistentinnen, Rezeptionistin, teure Geräte, das Einhalten von Röntgenrichtlinien, Sterilisationskonzepten, Miete, Buchhalter etc., das alles muss bezahlt werden.

Eine normale Zweitmeinung ist trotz Kosten von typischerweise 120-450 CHF für eine normale Zahnarztpraxis oftmals nicht lukrativ. Damit sich das "lohnt" muss der Zahnarzt versuchen sie zu überreden, dass Sie die entsprechende Behandlung bei ihm durchführen lassen, sonst macht er mit einer Zweitmeinung oft einen Verlust.



Ist es respektlos, eine Zweitmeinung einzuholen?


Nein. Gute Zahnärzte verstehen, dass keine Kritik am Hauszahnarzt ist, sondern eine Sicherheitsvorkehrung für die eigene Gesundheit (und manchmal den Geldbeutel).

In der Schweiz haben Patienten jederzeit das Recht auf eine unabhängige Einschätzung.

Gerade bei komplexen oder kostspieligen Eingriffen ist das medizinisch sinnvoll und üblich.

Eine zahnärztliche Zweitmeinung ist keine Kritik am Hauszahnarzt – sie ist eine Investition in Entscheidungssicherheit.


Warum Patienten oft zu lange warten


Viele denken:

  • „Ich will meinem Zahnarzt nicht misstrauen.“

  • „Vielleicht übertreibe ich.“

  • „Das wird schon stimmen.“

Doch nach Beginn einer Behandlung (egal ob Füllungen, Implantate, Kronen, Extraktionen oder Wurzelkanalbehandlungen) sind diese nicht mehr rückgängig zu machen - finanziell nicht, vor allem aber gesundheitlich nicht.


Fazit: Wie häufig sind unnötige Zahnbehandlungen?


Die Mehrheit der Zahnärzte arbeitet seriös.

Aber:

Unterschiedliche Therapieansätze sind Realität. Kostenunterschiede sind Realität. Medizinische Interpretationsspielräume sind Realität. Unnötige Zahnbehandlungen sind Realität

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht:

„Sind Zahnärzte unseriös?“

Sondern:

„Habe ich alle Optionen geprüft?“

Eine zahnärztliche Zweitmeinung in der Schweiz schafft Klarheit – bevor irreversible Entscheidungen getroffen werden.



Häufige Fragen (FAQ)

Werden in der Schweiz viele unnötige Zahnbehandlungen durchgeführt?

Statistiken zeigen: je mehr Zahnärzte pro Einwohner es gibt, umso mehr wird unnötig gebohrt. Und in der Schweiz gibt es sehr viele Zahnärzte pro Einwohner.

Trotzdem sind die allermeisten Behandlungen medizinisch gerechtfertigt. Unterschiede entstehen meist durch unterschiedliche Therapieansätze, nicht durch Absicht.

Wird mein Zahnarzt informiert?

Nur wenn Sie es wünschen. Eine Zweitmeinung erfolgt diskret, es sei denn Sie wünschen ausdrücklich, dass ich mit dem Hauszahnarzt kontakt aufnehme.

Kann ich meinen Heil- und Kostenplan einfach prüfen lassen?

Ja. Sie haben jederzeit das Recht auf eine unabhängige Beurteilung.

Spart eine Zweitmeinung wirklich Geld?

In vielen Fällen ja – insbesondere bei teuren Behandlungen oder grösseren Sanierungen. Auf jeden Fall hilft es Ihre Gesundheit zu bewahren.


Ihre Sicherheit vor grossen Zahnbehandlungen


Zahnmedizinische Entscheidungen sind oft langfristig und teuer.

Eine zweite fachliche Einschätzung:

✔ schützt ihre Gesundheit

✔ schafft Transparenz

✔ reduziert Unsicherheit

✔ schützt vor unnötigen Ausgaben

✔ stärkt Ihre Entscheidungsgrundlage



Melden Sie sich für einen Termin und erhalten Sie eine sachliche, neutrale Einschätzung Ihrer geplanten Zahnbehandlung – bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen.







Literaturverzeichnis:


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